| 21.10.2010 | Öffentlicher Verkehr |
| 7 Busse in der Rüti | |
| Und hunderte Leute warten | |
Warum fahren am Morgen um halb 9 kurz hintereinander fünf Busse vom Wegmühlegässli in die Rüti und in der Gegenrichtung warten wahrscheinlich mehr als hundert Personen an den vielen Haltestellen, um mit dem Bus in die Stadt zu gelangen - aber es kommt keiner.
Heute Morgen hat sich Murphy wieder einmal in Erinnerung gerufen. Ich wollte eigentlich mit dem RBS-Bus der Linie 44 (Bolligen-Gümligen Sonnenfeld) um 8 Uhr 25 ab Wegmühlegässli zur Arbeit nach Gümligen gelangen. Doch dieser Bus kommt wieder einmal sehr spät oder vielleicht ja gar nicht. Denn es ist so, dass bei der Haltestelle Wegmühlegässli keine elektronische Anzeige vorhanden ist. Und weil man dann eben nicht weiss, ob ein Kurs wegen technischem Defekt ausfällt oder eben nur massiv verspätet ist, habe ich mich um 8 Uhr 32 entschieden, die Strassenseite zu wechseln, um mit dem 10er Bus von Bern Mobil in die Stadt zu gelangen und dort dann mit dem weltweit bekannten blauen Bähnli meinen Zielort in Gümligen zu erreichen.
Die Zeit verstreicht. Es ist schon 8 Uhr 40 als der Bus in Richtung Stadt Bern eintrifft. Zwischenzeitlich stehen aber bereits geschätzte 40 Personen an der Haltestelle und der Bus ist dann schon an der vierten Haltestelle sehr gut gefüllt.
An der Zollgasse, der nächsten Haltestelle, dasselbe Bild. Viele wartende Personen versperren denjenigen, die eigentlich aussteigen wollen und Platz freigeben würden den Weg. Es kommt zu den bekannten Rangeleien um Sitzplätze die eh schon belegt sind. Wegen Taschen und Rucksäcken können die Türen nicht geschlossen und verriegelt werden. Offenbar sind die schuldigen Personen alle taub oder schwerhörig. Mir geht das Gepiepse derart in die Ohren, dass mir der Puls steigt und steigt. Gleichzeitig verzögert sich natürlich die Weiterfahrt.
Am Bahnhof Ostermundigen, wieder eine Haltestelle weiter, das gewohnte Bild. Ich brauche mich gar nicht zu bemühen, den Zug nach Gümligen zu erwischen. Obschon auch dieser immer 3 Minuten verspätet ist, sehe ich keine Chance mit meinem lädierten Fuss die S-Bahn um 8 Uhr 50 zu erreichen. Also bleibe ich im Bus sitzen und wundere mich über die wartenden Leute an den nächsten Stationen. Obschon der Bus ja schon längsten überfüllt ist, drängen sich immer mehr Menschen bei den automatischen Türen und behindern sich gegenseitig beim Ein- und Aussteigen. Was sie dabei übersehen ist, dass in der Zwischenzeit schon zwei Busse direkt hinterher fahren. In diesen wären sicher noch Plätze frei. Wahrscheinlich sogar Sitzplätze.
Zwei Minuten vor 9 Uhr hält dann der Bus endlich an der Haltestelle Zytglogge. Man sollte zwar schon Kornhaus sagen, denn hinter einem 45-Meter Tram steigt man eben schon vor dem Kornhaus aus. Umso weiter ist der Weg dann zum Casino, wo das blaue Bähnli eine Minute nach 9 Uhr abfährt und ich dann nur noch das Rücklicht sehe. So ganz wie im bekannten Sketch. Es ist neblig, die Bise zieht über den Casinoplatz und ich muss ja nur knapp 10 Minuten warten. Doch dieses Bähnli fährt dann eben nur bis zum Bahnhof Gümligen. Ich müsste aber eigentlich eine Station weiter, damit ich nicht einen halben Kilometer mit dem immer noch schmerzenden Fuss zurücklegen muss.
Also bleibt nur, die Bise weitere 10 Minuten stehend zu ertragen. Auf den Wartebänken hat sich die Nässe dermassen im unbehandelten Holz festgesetzt, dass sich daran schon fast Pilze bilden und es wahrscheinlich mehrere Stunden Sonnenschein bräuchte, um die 15 Zentimeter starken Holzbalken auszutrocknen.
Wenigstens finde ich im Bähnli nach Worb noch eine Gratiszeitung vom heutigen Tag. Das Kreuzworträtsel und das Sudoku im Blick vom Vorabend sind längst fertig ausgefüllt. Und dann, bei der Haltestelle Egghölzli, fast der finale Schock. Lautsprecherdurchsage: Wegen einem technischen Defekt, kann das blaue Bähnli nicht weiterfahren.
Der Fahrer und ein Helfer schrauben dann an der neuen Sänfte eine Abdeckung ab, gelangen dahinter zu einem Schalter. Den kann man umlegen. Es handelt sich wahrscheinlich um einen Schutzschalter der Stromversorgung. Nach der Montage der Abdeckung kann das Tram glücklicherweise weiterfahren und um 9 Uhr 48 bin ich schliesslich am Zielort mehr oder weniger gestresst angekommen.
Nein ich habe mich nicht über den ÖV geärgert. Ich habe von Bern Mobil nur wissen wollen, wo um Gottes Willen die vielen Busse in der Rüti parkiert werden und wenn von der Stadt her Verspätungen geschehen, die Fahrzeuge nicht möglichst schnell wieder zurückfahren, sondern einzelne Kurse ausfallen lässt, obschon die Busse ja eh irgendwie wieder zurück müssen.
Ich frage mich auch, warum nicht jedes Bähnli nach Worb fährt, ab Dezember mit den Trams von Bern Mobil kann das dann nicht mehr geschehen. Diese haben nur einen Führerstand und müssen irgendwie gewendet werden.
Ich weiss auch nicht warum Sicherungsschalter hinter einer fix verschraubten Abeckung montiert sind. Am Alter des blauen Bähnli kann es nicht liegen. Die Sänfte, der neue Zwischenteil mit Niederflur-Einstieg sind erst gerade verbaut worden und für die RBS-Oberen offenbar der Höhepunkt der Technik. Ich weiss aber, dass ich zu Fuss den Arbeitsplatz in der Hälfte der Zeit erreicht hätte. Aber eben hätte. Denn Schuld am heutigen Frust bin einzig ich, weil ich mir vor 30 Tagen den Fuss gebrochen habe.